lieber k.,
nun ist es also soweit, der erste brief seit fast drei jahren. weißt du noch, wie das damals anfing mit uns? wir lernten uns am ersten schultag in der oberstufe kennen. genau erinnere ich mich nicht daran, nur, dass ich dich von anfang an sympathisch fand, dich gern näher kennen lernen wollte. schon am ende der ersten woche hatte ich dann gelegenheit dazu. m. hatte mich eingeladen, mit ihm und dir auf ein fest in eurem stadtteil zu gehen und natürlich hatte ich zugesagt, ich freute mich darauf. doch als wir dort ankamen, ließ m. mich ziemlich schnell stehen, weil viele freunde von ihm überall verstreut waren und er vom einen zum anderen lief. du bliebst bei mir stehen, es war kalt und wir unterhielten uns die ganze zeit. irgendwann sahen wir dann zusammen das feuerwerk an und - viel zu schnell - musste ich wieder gehen. anschließend fragtest du wohl m. nach meiner icq-nummer und wir begannen, uns zu schreiben. sehr schnell erzählten wir uns viele persönliche dinge, von deiner damaligen freundin, mit der du kaum etwas gemein hattest, die du kaum sahst. ich überredete dich dann am nächsten wochenende, mit mir und j. in die disco zu gehen, obwohl du eigentlich nicht wolltest, weil deine freundin dir soviel stress machte. trotzdem war es ein wundervoller abend, den wir gemeinsam genossen. irgendwann trug ich dann dein t-shirt - es duftete so wundervoll nach dir. am sonntag schriebst du mich wieder an, dass war einen tag vor unserer gemeinsamen klassenfahrt. schnell erzähltest du mir, dass du dich von deiner freundin getrennt hättest - es passte einfach nicht mehr. ich versicherte dir, wie schade ich das fände, doch innerlich machte ich luftsprünge. ich schämte mich dafür, vor allem, weil ich dachte ich hätte sowieso keine chance bei dir. du warst mein traummann. groß, schlank, lange schwarze haare und blaue augen. du warst eher still, konntest aber die besten witze machen. auf unserer klassenfahrt durfte ich dich dann noch näher kennenlernen. am ersten abend lagen wir irgendwann auf deinem bett und unterhielten uns, bis wir zu müde waren. ich wollte gerade aufstehen und in mein bett wandern, als du mein gesicht in deine hände nahmst und mich küsstest. wahrscheinlich war ich in dieser sekunde das glücklichste mädchen der welt. von da an waren wir die ganze klassenfahrt über unzertrennlich. am spätnachmittag, nachdem wir wieder zu hause angekommen waren, schrieb ich dir dann bei icq, weil ich mich nicht traute, dich anzurufen. ich fragte dich, was das mit uns gewesen sei, ob es für dich nur eine ablenkung gewesen sei oder mehr? ich wagte kaum, deine antwort zu lesen, doch du versichertest mir, dass es nichts mit deiner exfreundin zu tun habe, dass du mich einfach toll fändest. und so beschlossen wir, unser glück miteinander zu versuchen. es war wirklich wunderschön mit dir. wir schrieben uns briefe, sahen uns immer, wenn wir zeit hatten. zu jedem monatstag bekam ich rosen - eine für jeden monat. du warst der perfekte erste freund. du gabst mir mein selbstvertrauen zurück, ich konnte dir vollkommen vertrauen. du hättest mich nie verraten. ganze nächte verbrachten wir damit, einfach zu reden oder uns in den armen zu liegen. ich fand dich wunderschön und fühlte mich großartig neben dir. wir verbrachten urlaube zusammen, lernten gemeinsam autofahren, verplanten die zeit nach der schule, denn für uns war klar: nichts kann uns trennen! ich weiß nicht, wie es begann... wir stritten uns nicht, stattdessen machten wir etwas, das ich nur psychoterror nannte, denn wir schrien nicht, wir schwiegen uns an, manchmal mehrere tage. bis wir es nicht mehr aushielten und uns weinend in den armen lagen. vielleicht hatte ich irgendwann das gefühl, dir nicht mehr alles sagen zu können, vielleicht verbrachten wir auch einfach zu viel zeit gemeinsam. am wochenende sah man uns eigentlich nie getrennt. mit der zeit gab wohl jeder von uns zu viel von sich auf - wird wurden eins. und dann kam mein praktikum, welches ich in den herbstferien machen wollte. dort stellte ich mit schrecken fest: ich vermisste meine freundinnen und meine familie. dich vermisste ich nicht. ich fühlte mich furchtbar, wusste nicht, was ich tun sollte. ich glaube noch immer an ein wir. du schienst etwas zu spüren - wie auch nicht - und als wir darüber redeten, sagtest du, du seist noch nicht bereit, aufzugeben. ich stimmte dir zu und wir versuchten es noch einmal. in dieser zeit sahen wir uns kaum und innerlich verabschiedete ich mich wohl während dieser zeit schon von dir. es war mir einfach alles zuviel und gleichzeitig zu wenig. zu viel nähe, zu wenig anziehung. ich wollte dich nicht einmal mehr küssen. nicht, dass es mich geekelt hätte, es war mir mehr gleichgültig. vielleicht ist das noch schlimmer. meine liebe für dich starb nicht, sie schlief einfach ein. ich war zu jung, um so ein leben zu führen. ich wollte nicht die nächsten 5, 10 oder 20 jahre verplant wissen. ich wollte alles mögliche ausprobieren. in meinem kopf war immer der gedanke, dass wir irgendwann einmal wieder zusammenkommen könnten - wenn wir beide älter geworden wären. im beginnenden winter trennten wir uns dann voneinander. wir saßen beide auf meinem bett und weinten, als du deine sachen bei mir holtest. ich fühlte mich so einsam wie selten zuvor, denn ich hatte meine erste große liebe und meinen besten freund verloren. wir versprachen uns, freunde zu bleiben. wir blieben im unterricht nebeneinander sitzen, doch du zogst dich mehr und mehr zurück. vielleicht nahm es dich viel mehr mit, als du mir jemals hättest sagen können. ich bewundere dich dafür, dass du mich so gehen lassen konntest. vielleicht ahntest du, dass es nicht anders ging. doch dann verändertest du dich, du küsstest zwei meiner besten freundinnen, suchtest dir komische freunde und sahst mich nicht mehr an. ich suchte mehrmals den kontakt zu dir - unsere freundschaft fehlte mir so - doch ich verstand irgendwann, dass du das nicht konntest. ich werde nie vergessen, was du alles für mich getan hast. natürlich war es nicht immer einfach, die gegenseitige eifersucht und anderes, aber ich weiß, dass du der beste erste freund für mich warst, den ich mir hätte wünschen können. danke, dass du einen teil meines lebens mit mir verbracht hast. du wirst immer einen platz in meinem herzen und in meiner erinnerung haben.
so little to say
but so much time
despite my empty mouth
the words are in my mind
please wear the face
the one where you smile
because you
lighten up my heart
when i start to cry
forgive me first lovebut i'm tired
i need to get away
to feel again
try to understand why
don't get so close
to change my mind
please wipe that look
out of your eyes
it's bribing me
to doubt myself
simply, it's tiring
[adele - first love]
2 Kommentare:
Das ist.. so beruehrend. Ich muss weinen, weil ich mich so sehr darin wieder finde..
Ach, ich drueck dich, meine Liebe <33 Ich denk fest an dich.
das hat mich auch sehr berührt. ich war 15, als ich "ihn" kennenlernte. er hat um mich gekämpft, bis wir beide 19 waren. er hatte nie eine freundin, die ganzen vier jahre nicht, dann kamen wir zusammen und waren sechs lange jahre EINS- bis zur ersten gemeinsamen wohnung. als wir uns trennten, ist etwas gebrochen, dass nie mehr sein wird, wie es war. so ist das mit der ersten liebe.
aber schön wars trotzdem. WIR sind noch heute freunde.
ich wünsch dir alles liebe
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