kurz, nachdem ich es zum ersten mal getan hatte (betrunken und aus einer laune heraus), tat ich es erneut. ich war zu besuch in diesem haus, schlief in dem zimmer, das nicht meines war. am abend zog ich mir etwas an, das mir gefiel, ich schminkte mich, schnappte mir die schlüssel eines autos, das nicht meins war und verschwand in die nacht. mein erster weg führte mich dorthin, wo ich vor einigen jahren noch viele freitag- und samstagabende verbracht hatte. es war leer, doch die musik gefiel mir. wenn ich allein war (ohne freunde oder auch nur entfernte bekannte) liebte ich es, als eine der wenigen auf der tanzfläche zu sein, mich vollkommen von den klängen der musik umhertreiben zu lassen und manchmal schloss ich die augen und stellte mir vor, ich sei jemand ganz anderes.
irgendwann leerte ich mein glas und kehrte zurück zu dem auto. es zog mich in diese kleine, verrauchte bar. immer überfüllt; zu viel, zu laut, zu heiß. meinen ring hatte ich abgelegt, manchmal strich ich mit dem zeigefinger kurz über die stelle, an der er sonst saß. nachdem einige gäste nach draußen verschwanden, ließ ich mich auf dem fensterbrett nieder - der perfekte ort, um den ganzen raum überblicken zu können. es mochte wohl eine halbe stunde vergangen sein, als ich dich entdeckte. ich spürte deinen blick auf mir und erwiderte ihn. ein kurzes lächeln, wegsehen. so ging das zwischen uns bestimmt eine stunde. irgendwann wurde es draußen heller, die leute verschwanden, die musik endete. jetzt oder nie, ging es mir durch den kopf. dicht hinter dir ging ich nach draußen, wo es in strömen regnete. gemeinsam mit anderen drängten wir uns unter das vordach eines nebenhauses und irgendwan tat ich es einfach. ich bat dich um eine zigarette.
als du mir eine drehtest, sie mir zwischen die lippen stecktest, musste ich ein wenig lächeln. genau so hatte ich mir das immer vorgestellt. wir unterhielten uns, brachten einen freund von dir zum bahnhof, wo auch das auto stand, das nicht mir gehörte. ich sah zu dir auf, du hattest den arm um mich gelegt. eine frage. "und jetzt?"
schweigend gingen wir zu dem auto, lachten immer wieder; beide plötzlich schüchtern. ich fuhr dich nach hause, stieg aus, folgte dir durch den frühen, kalten morgen in deine wohnung. wir legten uns auf dein bett, mein kopf auf deiner brust, deine hand auf meiner schulter. irgendwann schlief ich ein und erwachte später davon, dass draußen ein neuer morgen anbrach.
du warst noch immer wach, dein blick ruhte auf mir, als ich die augen öffnete. du hattest nicht geschlafen - mich einfach nur angesehen. als ich aufstand, wolltest du mich festhalten, doch ich schlüpfte in meine schuhe, griff nach den autoschlüsseln - und gab dir einen kuss an der tür.
ich fuhr nochmal zum bahnhof und kaufte eine packung zigaretten, bevor ich zurück zu dem haus fuhr, die schlüssel auf den küchentisch legte und in mein zimmer schlich. dort stand ich einen moment am geöffneten fenster und rauchte, ehe ich mich auszog und mich auf mein bett legte, den blick an die decke gerichtet.
die angebrochene packung liegt noch immer in diesem zimmer, verborgen zwischen meinen anziehsachen.
so eine erinnerung hatte ich immer haben wollen. das wissen um dieses gefühl, wie es ist, rauchend am fenster zu stehen, die gedanken schweifen zu lassen, ein lied im kopf zu haben. der kühle boden an den füßen, frische luft, die hereinströmt. graublaues licht.
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